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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Deutsche Gesellschaften: Interflug


Diddi
09.10.2008, 19:57
Ha, denkste! Nicht Lufthansa,sondern der Andere.. Schließlich hatte "Niemand die Absicht, eine Mauer zu errichten".
da auch in der DDR eine Deutsche Lufthansa bestand, kam es natürlich zu Streitigkeiten, wer denn den Warennamen
zu Recht führen durfte. Nach einigem Hick-Hack obsiegte schließlich die Lufthansa (West). Demzufolge wurde in der
damaligen "SBZ" am 1.8.1963 die Interflug (Gesellschaft für internationalen Flugverkehr) gegründet, die die Iljushin IL-14
und IL-18 der Ost-Lufthansa übernahm.Geflogen wurde in Mischbemalung, LH Farben und Interflug Aufschrift (war vor meiner
Zeit, da durfte man in Schönefeld nichts machen). Später wurde eine -natürlich in freundlichem Rot gehaltene- eigene
Bemalung eingeführt. Anfangs wurden sogar Inlanddienste unterhalten nach Dresden, Erfurt und der Saisonverkehr nach
Heringsdorf an der Ostsee. Die umliegenden sozialistischen Bruderstaaten (nicht Freundesstaaten, da man sich Freunde
aussuchen kann, Verwandte aber nicht) wurden mit AN-24 bedient, Moskau natürlich mit IL-62.

Aber kommen wir zum Bildteil:

Mein erster Besuch in Schönefeld fand im April 1975 statt. Damals erlaubte das Visum zur Einreise den Aufenthalt im gesamten
Staatsgebiet der DDR, davor galt es nur für einen bestimmten Bezirk. Schönefeld liegt übrigens nur zu einem geringen
Teil in Ostberlin (Anflug), weswegen die westberliner Kollegen regelmäßig Ärger auf der Terrasse bekamen..
Aber ich schweife ab. Hier eine Antonov AN-24, geparkt vor dem Hotel der Republik im Hintergrund.

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Eine andere AN-24, wie sie vom alten Barackenterminal zur Startbahn rollt. Meistens hatte man mit Gegenlicht zu kämpfen,
auch die schöne Terasse auf dem kurze Zeit später eröffneten neuen Terminal bot einen Blick nach Süden. Die AN-24
wurden später an die Vietnam Airlines verkauft.

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Hier die einzige Iljushin IL-14, die ich erwischte. Sie trug orange-rot, da sie als Navaidsinspection-Flieger benutzt wurde,
nachdem sie außer Dienst gestellt wurde. Leider ziemlich weit weg abgestellt.

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Etwa ein Drittel der Flotte war aktiv, ein Dritten stand vor den im Südteil gelegenen Hallen herum und der Rest war in Marxwalde,
dem heutigen Neuhardenberg, wo das MfS sein Quartier hatte und die Regierungsstaffel untergebracht war. Hier wird eine
Iljushin IL-18 nachmittags vorbeigezogen.

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Vor dem Regierungsgebäude waren häufig Flieger abgestellt, hier die DM-STP, die später grau umbemalt wurde und
die Nachfolge der IL-14 DM-SAL antrat.

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Eine TU-134 mit Radarnase auf dem Weg zum Abstellplatz. Die ersten TU-134 hatten ein Glashaus als Nase. Hinten sieht
man die Hangars.

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Später, als die Terasse auf dem Terminal eröffnet wurde, bot sich diese Aussicht, im Hintergrund die Verwaltung
und Schulung.

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Dieser Kodachrome II war farblich damals wirklich unschlagbar! Warmes Abendlicht auf einer Glasnasen TU-134, man beachte
das "highly sophisticated ground-equipment"

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ORWO-Chrome Film aus der DDR, es war immer spannend, welchen Farbstich er diesmal hatte. Hier eine Iljushin IL-62

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Da hat mein 135mm Objektiv genau gepasst! Nichts war mit Zoom, Autofocus und Autobelichtung damals...

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Nochmal, weil es so schön ist!

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Staatsbesuch aus der VDRJ! Ich musste bei einem TRAPO (=Transportpolizist)
nachfragen, jawoll, ein Besuch aus der
Volksdemokratischen Republik Jemen, jawoll, Sie dürfen Fotos machen! Danke!! Jede Menge Jubelelemente, nachher
hatten wir schon Winkelemente (=rote und DDR-Fähnchen) in unseren Rucksack gesteckt gekriegt.

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Freitag ab eins macht jeder seins! Dieser beliebte Ostspruch scheint auch für die Interflug Gültigkeit gehabt zu haben.
Nettes inaktives Line-up.

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Und nochmal ein Blick von der Terasse, am meisten habe ich mich über die von UTA geleaste DC-8-62 der LAM gefreut.
Die LAM stellte den wöchentlichen Kurs dann auf DC-10 um, IF beflog die Strecke nur alle 14 Tage Abflug
Donnerstags, 20.15 Uhr, wenn man dem ABC World Airways Guide vom Juni 1986 glauben darf.

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Nochmal eine graunasen TU-134

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Der Dienst nach Havanna wurde mangels Reichweite der IL-62 mit Tankstopp in Kanada bedient. Demzufolge war das Stück
Gander-Havanna oft nicht mehr so gut ausgelastet wie das Teilstück Berlin-Gander. Die DDR musste für jeden Bürger,
der es vorzog in Kanada zu bleiben, ein schönes Sümmchen an die kanadische Regierung entrichten. Durch tatkräftigen
Einsatz eines unerreicht erfolgreichen bayerischen Ministerpräsidenten, der auch bei Airbus tätig war, konnte die
Interflug trotz COCOM-Liste drei A-310 erwerben. In den Achtzigern war das Landeskennzeichen von DM (klang doch gut, oder?)
auf DDR geändert worden. So erhielten die A-310 die Kennzeichen DDR-ABA bis -ABC. Hier wurde wohl an die Tradition
angeknüpft, denn die ersten IL-14 der Ost-Lufthansa trugen genau diese Kennzeichen (so ab Juli 1955). Warum
damals von DDR- auf DM- umgeändert wurde, weiß ich nicht, es kann aber sein, dass 3 Stellen als Länderkennzeichen
damals nicht möglich war.(außer CCCP- natürlich)

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Hier der dritte A-310 in Frankfurt. Nach der Wende war ja Kuba, Maputo, Lagos, Brazzaville,Hanoi und so auch keine
besonders angesagte Gegend mehr , jetzt lockte der Westen. Die A-310 wurden deshald an Condor vermietet und flogen
auf Urlaubsflügen hauptsächlich ab FRA in die kapitalistisch-dekadenten Reiseziele...

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Wehe wehe, wenn ich auf das Ende sehe... Lange hielt sich die IF nicht, sie wurde abgewickelt wie so Vieles aus der
"Ehemaligen". Vielleicht hätte sie nicht bestehen können, auch das Vorhaben "Intercondor" wurde aus verschiedenen (??)
Gründen nicht realisiert, vielleicht hätte sie überlebt. Die Busse gingen an die Flugbereitschaft, die TU-134 und die IL-62
an die GUS und zurück bleibt ein fader Geschmack.

Der übliche Buchtipp: K.D. Seifert, Weg und Absturz der Interflug, Brandenburgisches Verlagshaus. Gut und interessant.

Dann gibt es noch mehrere großformatige Bände über die Luftfahrt in der DDR. Sind auch zu empfehlen.

ABER:
Dann gibt es noch ein Machwerk über die IF, Kleinformat. Meine Herztropfen!
Da lauert ja der Klassenfeind noch hinter jedem Berg,
und die Bonner Revanchisten, Revisionisten und Ultras sind immer noch aktiv! Titel hab ich vergessen, bin auch zu faul,
dass OPUS im Regal zu suchen...


Soweit die Erleuchtungen meinerseits zum Kapitel Staatcarrier. Schönefeld trug seinen Namen zu Recht, und geärgert
haben mich die Staatsorgane beim Fotographieren eigentlich auch nie!!

Bis demnächst, jetzt hol ich mir ein Radeberger aus dem Kühlschrank und stoße auf die Interflug an und bin ein bisschen traurig....
(nein, ich wähle die Linken trotzdem nicht!)
Diddi

Stephan
10.10.2008, 07:02
:D Du übertiffst dich mal wieder. Klasse Beitrag.


Sag mal, auf dem Bild der ABA steht doch im Hintergrund eine Delta-Kiste rum, oder?

Stephan
10.10.2008, 14:18
Schön das rege Interesse an deinen Beiträgen an der Hitzahl zu sehen. :thumbup:

Sven
10.10.2008, 16:03
Sehr schöne Bilder, und auch eine gute Dokumentation der Entwicklung der "anderen" Deutschen Airline, die ich leider nie live erleben durfte.

Diddi
10.10.2008, 17:41
@ Stephan:
Ist in der Tat ein Tristar Serie 500, der auf der 25 rechts landet oder abhebt.
Ganz hinten steht noch eine Evergreen DC-8-60 bei den Amis rum.
Die Delta hatte ja von PanAm als Teil des Tafelsilbers die Atlantikrechte abgekauft und flog auch mit B727-200
innerhalb Europas Zubringerflüge nach FRA.
Übrigens stehen viele IF Flugzeuge noch in den Neuen Ländern rum, in Stölln
steht die DDR-SEG in ausgezeichnetem Zustand. Das ist die, die auf dem Segelfluggelände gelandet ist. Der IF-Kutscher
war dann abends reichlich hinüber, meine Verwandschaft wohnt in dem Anwesen neben der Dorfkneipe, daher mein Wissen.:whistel:
In Leipzig gibt es auch eine kleine Sammlung.
Diddi

Andre
25.11.2008, 12:46
Hallo Diddi,

vielen Dank für Deinen sehr ausführlichen Beitrag. Ich habe die INTERFLUG noch am eigenen Leibe erleben dürfen. Bin das erste mal in meinem Leben mit einer IL-18D von SXF nach BUD geflogen. Das war 1986.
Mein Vater war seit 1958 Mitarbeiter bei der Interflug oder wie Du so schön geschrieben hast - bis 1963 - Deutsche Lufthansa, und hat es bis zum Ende durchgehalten. Allerdings war das damals kein abrupter Übergang, sondern ein schleichender. Die INTERFLUG wurde nämlich bereits früher gegründet (genaues Jahr weiss ich nicht) und diente ursprünglich als Bedarfsfluglinie.
Eine Besonderheit innerhalb der DDR war unter anderem auch die rechtliche Form der INTERFLUG. Sie war eine GmbH, damit es bei Unfällen oder Schäden keine Abwälzung der Kosten auf die klamme DDR geben konnte.
Den Flieger in Stölln kenne ich auch, war auch schon zwei mal da. Ist ca. eine Autostunde von Berlin entfernt. Die Maschine ist auch noch richtig Sehenswert inklusive dem Video von der Landung, was einem im Flugzeug gezeigt wird. Der Kapitän von damals (Herr Kallbach) ist übrigens noch viele Jahre für Germania geflogen und hat auch den in Berlin so beliebten Rosinenbomber (D-CXXX) gesteuert.

Schöne Grüße

Andre

Thomas
08.10.2009, 10:11
Auf Spiegel Online (http://www.spiegel.de/reise/deutschland/0,1518,653766,00.html) gibt es derzeit einen lesenswerten Bericht über das aktuelle Schicksal der Interflug-Flotte.